Bericht von Therese Bachofen
Der Tradition zur Folge unternehmen jedes Jahr zur ungefähr gleichen Zeit eine Gruppe Reisefreudige und Erlebnishungrige aus dem Aargau eine Reise. So auch am 31. Mai 2011 und somit bereits zum 25. Mal!
Nun zur Reise, die als Jubiläumsreise eine ganze Woche dauerte und uns in den Osten Deutschlands führte; mit dem Ziel, die Insel Rügen! Schon die Fahrt durch fast ganz Deutschland war, dank des tollen Reisewetters ein Erlebnis. Kleinräumige Gebiete im Süden Deutschlands wechselten nach und nach zu grossen weiten Flächen, für uns Schweizer ziemlich unbekannt. Die erste Etappe endete in Jena, wo wir sehr komfortabel im Steigenbergerhotel Jena untergebracht wurden. Gut ausgeruht und erwartungsfroh ging es am nächsten Tag weiter Richtung Strahlsund. Riesige Raps- und Getreidefelder und nur wenige Dörfer gaben uns einen Eindruck der unendlichen Weiten des Deutschen Ostens.
Viele Windparks mit jeweils dutzenden von Windkraftanlagen gaben uns einen Eindruck, wie es in der Schweiz nach der Stilllegung unserer AKW’s aussehen könnte. In Strahlsund erlebten wir eine sehr informative, aber vor allem auch unterhaltsame Stadtführung durch einen einheimischen Kenner von Kultur und Geschichte der Stadt und der Region.
Nach einem traditionellen Nachtessen in einem Hafenrestaurant ging es weiter über die weithin sichtbare neu Verbindungsbrücke nach Rügen. Eine ganz tolle Sonnenuntergangsstimmung empfing uns auf der Insel Rügen, Chauffeur Hans sorgte dafür, dass wir dieses Naturschauspiel gleich zweimal sehen konnten. Einer etwas ungeschickten Beschilderung sei Dank!
Müde aber voller Eindrücke kamen wir im Akzent – Waldhotel in Göhren an. Ein Hotel wie aus dem Bilderbuch, wir alle fühlten uns in frühere Zeiten versetzt, wo die Gäste noch mit Kutschen in die Kur fuhren. Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht erwartet uns ein für Rügen prominenter Reiseleiter: Eike Bunge, Vorsteher des Stadtrates von Bergen. Mit ihm durften wir Geschichte und Schönheiten dieser als Naturparadies geltenden Insel kennen lernen.
Die jüngste, eher unrühmliche, Vergangenheit brachte faktisch den Stillstand oder gar den Rückschritt aller wirtschaftlichen Entwicklungen. Dies hat aber für die Erhaltung der Natur in ursprünglicher Form Gutes bewirkt. Auch die fehlenden Finanzen haben dazu geführt, dass erst jetzt die verlassenen und heruntergekommenen Liegenschaften wieder mit neuestem Wissen renoviert werden. Viele ehemalige Bewohner sind nun zurückgekehrt und bringen so die nötigen Finanzen mit. Jetzt strahlt die ganze Insel Ferienatmosphäre aus.
Unser Fahrer brachte uns während unseres 4-tägigen Aufenthaltes sicher zu den tollsten Plätzen. Wir besuchten den Jasmund Nationalpark, die Kreideküste mit „Königstuhl“, das „Kap Arkona“ und das kleinste Fischerdorf Vitt. Hier lernten wir eine Spezialität der Insel kennen, nämlich das Räucherfischbrot. Es schmeckte herrlich und dazu gab es ein kühles Bier! Tags darauf ging es gemütlich zu. Wir schauten uns die schönste Seebrücke an, die von Sellin. Danach kamen wir uns vor wie Staatsbesucher, wurden wir doch im Rathaus der Stadt Rügen, dem Arbeitsplatz unseres Begleiters, wie Diplomaten empfangen. Sogar die Schweizer Fahne, wehte vor dem ehrenwerten Rathaus! Das Nachtessen wurde dann noch zu einem ganz speziellen Anlass. Auf dem Jagdschloss Granitz wurden wir von Schlossdamen empfangen und tafelten wie in alten Zeiten im kühlen Gewölbekeller. Das Essen bestand aus der „Jagdbeute“ aus der Gegend, genauso zubereitet wie zur Zeit des Erbauers 1836. Gemütlich, lustig und urig ging es zu und her, gesungen wurde aus voller Kehle, wenn auch bei den meisten Liedern nur die erste Strophe wortgetreu wiedergegeben wurde. Mit zunehmendem Bier- und Weinkonsum stieg auch der Lärmpegel. Aber allen hat es gefallen!
Als Höhepunkt am 3. Tag galt die Fahrt mit dem „Rasenden Roland“ - einer Dampfbahn aus der Gründerzeit nach Binz, dem grössten und schönsten Badeort auf Rügen. Nach einem Bummel durch die Stadt, lud eine Fahrt mit dem Schiff zu den Kreidefelsen, erholsam und gemütlich und mit immer wieder wechselnden Ansichten. Mit dem Wind im Gesicht fühlten wir uns wie Seefahrer, allerdings nur bis das Brennen auf Nase und Stirn auf einen Sonnenbrand hinwiesen. Nach einer kurzen Fahrt trafen wir zum letzten Mal in unserem Hotel in Rügen ein. Bei einem gemütlichen Nachtessen wurde über die vielen Eindrücke philosophiert und mit einigem Bedauern dachten alle an den Abschied von dieser schönen Insel und die Rückfahrt in die Schweiz. Früh am Morgen starteten wir, um zeitig in unserem Etappenort Leipzig anzukommen. Auch dort, wie auf der ganzen Reise, verbrachten wir den Abend und die Nacht in einem der schönsten Hotels am Platz, dem „Westin-Hotel“. Alle freuten sich, dass auch hier eine Hotelbar zum Schlummertrunk einlud. Die Rückreise von Leipzig in die Schweiz verlief dann eher ruhig, einige schlummerten und träumten wohl von den vergangenen Tagen, andere teilten sich im Geiste schon die kommenden Arbeitstage ein.
Über all dem Schönen darf man aber nicht vergessen, dass die Geschichte des letzten Jahrhunderts alles andere als erfreulich war. Da gibt es ein Relikt aus der Nazizeit, das nur so voll Grössenwahn zeugt. Das längste Gebäude der Welt erstreckt sich über 4, 5 km und sollte unter dem Titel „Kraft durch Freude“ vielen Müttern mit Kindern Erholung bieten, um für den „Führer“ gesund zu bleiben. Nachdem dieser Wahnwitz von der Sowjet-Armee und Teilen der DDR-Armeen genutzt wurde, steht es nun als Ruine da. Einer der schönsten Strandabschnitte wurden verunstaltet. Auch über die rabiaten Enteignungen von wunderschönen Hotelanlagen und Gutsbetrieben zur Zeit der DDR durften wir viel erfahren.
Ja, eine tolle Woche, im Kreise lieber Menschen, wiederum perfekt organisiert und geleitet durch Roland Indermühle, chauffiert mit dem komfortablen Reisebus durch unseren „Hans“, war vorbei! Ein Trost, es gibt ein nächstes Mal – dann soll es ins Burgund gehen, wieder eine 5 Tage-Reise!
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